Gute LehrerInnen

Was macht eine gute Lehrkraft aus? Wie werde ich eine gute Lehrerin oder ein guter Lehrer? Woran erkenne ich, wie erfolgreich ich in meiner Lehrtätigkeit bin und wo ich mich weiterentwickeln kann?

Uralte Fragen, die seit Generationen Gegenstand von Forschung und Stammtischgesprächen sind. Ist es die Liebe zum eigenen Fach? Sind es die fachlichen und/oder fachdidaktischen Fähigkeiten? Die Motivationsfähigkeit? Oder doch die Fähigkeit ein gutes Verhältnis zu Schülern aufzubauen und zu halten? Oder gehört das alles irgendwie zusammen?

Studien, Metastudien, Umfragen und Meinungen zum Thema gibt es wie Sand auf dem Monte Kaolino, doch die eine, einfache Antwort ist – wenig überraschend – nicht so leicht zu finden.

John Hattie betont in seiner großen und fortlaufen aktualisierten Metaanalyse den Lehrer als entscheidenden Faktor für den Lernerfolg (https://visible-learning.org/hattie-ranking-influences-effect-sizes-learning-achievement/) und die Notwendigkeit einer verstärkten Professionalisierung des Lehrpersonals, als konkrete Hilfestellung hilft das dem Einzelnen allerdings wenig.

Der Deutsche Philologenverband und die Vodafone Stiftung Deutschland verleihen jedes Jahr den deutschen Lehrerpreis für „ausgezeichnete Lehrkräfte“ (https://lehrerpreis.com/der-wettbewerb/ausgezeichnete-lehrkraefte), die Preisträger nennen allerdings ganz unterschiedliche Kriterien, wenn es darum geht, zu beurteilen, was denn nun die gute Lehrkraft ausmacht (https://www.deutschlandfunkkultur.de/deutscher-lehrerpreis-2019-jeder-kann-ein-guter-lehrer-sein.2165.de.html?dram:article_id=463761).

SchulleiterInnen verbringen deutschlandweit einen nicht unwesentlichen Teil ihres Zeit damit, die Qualität und Leistung ihres lehrenden Personals zu beurteilen. Dabei bewerten sie Leistungen wie „erzieherisches Wirken“ oder „Entscheidungsvermögen“. In Bayern geschieht das unter anderem, um „der einzelnen Lehrkraft zu zeigen, welches Leistungs-, Befähigungs- und Eignungsbild die Vorgesetzten innerhalb des Beurteilungszeitraums von ihr gewonnen haben“ (https://www.km.bayern.de/download/12375_beurteilungsrichtlinien_2015.pdf). Beim genaueren Hinsehen verliert sich der Versuch der objektiven und zielgerichteten Rückmeldung an die Lehrkraft jedoch in Allgemeinplätzen und Standardfloskeln.

Das Grundproblem bleibt bestehen. Allgemeingültige Aussagen sind schwierig und lassen die vielen feinen Unterschiede in den Anforderungen außer acht: Fach, Schulart, Schülerschaft, Jahrgangsstufe, Persönlichkeit und vieles mehr.

Der Altphilologe, der in der 11. Klasse am humanistischen Gymnasium im Wahlfach Latein brilliert, würde in der 3. Klasse Grundschule mit dem gleichen Ansatz eventuell wenig Begeisterung erfahren. Die engagierte Klassleiterin einer 1. Klasse würde mit ihrer sprühenden Art in einer pubertierenden Mittelstufe möglicherweise eiskalt abblitzen. Und was hilft es dem Sportlehrer einer Brennpunktschule, wenn sein Schulleiter ihn an die Merkmale des guten Unterrichts nach Hilbert Meyer erinnert, wenn er im Wesentlichen damit beschäftigt ist, zu verhindern, dass sich seine Schüler gegenseitig umbringen.

Bei all dem bislang genannten geht es vorwiegend um die Bewertung der Qualität der Lehrenden anhand des Unterrichtserfolg der SchülerInnen. Doch was ist mit dem eigenen Wohlbefinden? Was mit der Zusammenarbeit im Kollegium und mit den Vorgesetzen? Wie sieht es mit der Kooperation mit den Eltern aus? Das kommt alles noch on top. Der perfekte Unterrichtserfolg ist ein hoher Preis, wenn die eigene Gesundheit, die Familie oder das Umfeld darunter leiden.

Die schlechte Nachricht: die eierlegende Wollmilchlehrkraft, die allen Anforderungen voll umfänglich gerecht wird, mag es geben, ist aber eine äußerst seltene Erscheinung sein. Die gute Nachricht: es gibt wahnsinnig viele Lehrkräfte, bei denen es in ihrem Fach, an ihrer Schule, mit ihren Schülern und auf ihre ganz eigene Weise wunderbar passt, mit allen Stärken und Schwächen. Sie sind einfach gute Lehrer und Lehrerinnen.

An dieser Stelle möchte ich einige von diesen Personen vorstellen und befragen. Die Auswahl erfolgt absolut objektiv, sachlich und unparteiisch nach meinem eigenen Gutdünken.

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